Begriffsvielfalt

LRS - Was ist gemeint?

Verschiedene Begriffe und Bezeichnungen für Schwierigkeiten mit dem Schreiben und/oder Lesen, die teils synonym verwendet werden:

  • Lese-und/oder Rechtschreibstörung : abgekürzt LRS; verwendet in der internationalen Klassifikation von Krankheiten ICD-10
  • Lese- und/oder Rechtschreibschwäche: auch gern mit LRS abgekürzt; verwendet im schulischen und pädagogischen Bereich
  • Legasthenie (Wortblindheit)
  • Dyslexie: dem Englischen entlehnt; meint im Deutschen allerdings Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben
  • Lernstörung
  • Teilleistungsstörung: lässt außer Acht, welche umfänglichen Auswirkungen die Schwierigkeiten haben können

Lese-Rechtschreibstörung:

Nur eine fachärztliche Diagnose kann eine Lese- und Rechtschreibstörung (F.81.0) bzw. eine isolierte Rechtschreibstörung (F81.1) erbringen. Diese Diagnostik führen Ärztinnen  für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie durch oder Kinder-und Jugendpsychotherapeutinnen (meist Psychologinnen mit Zusatzqualifikation) oder Psychologische Psychotherapeutinnen durch. Das ist eine Leistung der Krankenkassen, nur für den Bericht fallen vielleicht Gebühren an. Neben der IQ-Diagnostik findet auch eine Bewertung der Schreib-, Lese- und Rechenfähigkeiten statt.

Für die Diagnose einer Lese-Rechtschreibstörung müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

- die Schwierigkeiten müssen länger andauern und früh begonnen haben

- die Gelegenheit zum Erlernen des Lesens und Rechtschreibens war ausreichend (Schulbesuch nicht durch längere Krankheit o.ä. unterbrochen)

- es besteht ein IQ von mindestens 70 oder darüber

- die Leistungen sind aber weit unter dem Niveau bzgl.  Alter, Intelligenz und Klassenstufe

Die ärztliche Diagnose ist wichtig, wenn es um die Anerkennung und Finanzierung einer Förderung durch das Jugendamt geht.

 

Lese-Rechtschreibschwäche:

Im schulischen Rahmen wird häufig eher von einem besonderen schulischen Förderbedarf und einer Lese-Rechtschreib-Schwäche gesprochen.

Eine Testung kann von Seiten einer dafür qualifizierten schulischen Fachkraft erfolgen, über die jede Schule verfügen muss.

Wie die Regelungen zum Nachteilsausgleich und Notenschutz in Schleswig-Holstein aussehen, erfahren Sie hier:

https://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/perma?a=NachtAusglV_SH

 

 

Meine Haltung als Lerntherapeutin:

Grundsätzlich: Schwierigkeiten können im Lesen oder im Schreiben oder in beiden Bereichen gleichzeitig auftreten. Nicht zu vernachlässigen ist die Auswirkung dieser Schwierigkeiten auf andere Schulfächer (insbesondere das Rechnen z.B. bei Textaufgaben) und das Alltagsleben.

Für mich ist deshalb wünschenswert, dass Kindern frühzeitig geholfen wird, denn:

-Frust blockiert

-Lesen und Schreiben braucht man auch außerhalb von Schulgebäuden ein Leben lang und sie sind ein großer persönlicher Schatz

-Fehlannahmen und Fehlschreibungen, die sich über Jahre aufgebaut haben, lassen sich nicht "mal schnell" beheben

(Ich habe beispielsweise noch andere Schreibungen der Worte "Fluss", "bisschen" und "küsst" in der Schule erlernt und musste nach der Rechtschreibreform umlernen. Man muss keine LRS haben, um zu verstehen, dass es einige Mühe kostet, (Schreib-)Gewohnheiten zu ändern.)

Nicht jede Schwierigkeit weist auf eine Störung hin. (siehe Button unten: Wie können die Schwierigkeiten aussehen?) 

Als Eltern sind Sie in der Verantwortung, zu entscheiden, ob sie mit Ihrem Kind den Weg der Diagnostik beschreiten wollen. Sowohl im Hinblick auf die LRS-Testung an Schulen als auch die fachärztliche Diagnostik. Holen Sie sich dazu Beratung von ärztlicher, schulischer und anderer Seite, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Tipp: In der Lübecker Stadtbücherei finden sich Ratgeber z.B.: Gerd Schulte-Körne und Katharina Galuschka "Ratgeber Lese/Rechtschreib-störung (LRS)- Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher", Hogrefe, 1.Auflage 2019. Oder: Gerd Schulte-Körne "Lese-/Rechtschreibstörung - Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit LRS wirksam unterstützen und fördern", Kohlhammer, 1.Auflage 2021. Und: Dipl.-Psych. Dr. Petra Küspert "Neue Strategien gegen Legasthenie", ObersteBrink.

In der Lerntherapie benötige ich eine eigene Diagnostik. Diese dient ausschließlich dem Ziel, den persönlichen Plan zur Förderung Ihres Kindes zu entwickeln (siehe Lerntherapie und den Abschnitt "Grundsätze"). Außerdem werden in den gemeinsamen Stunden mit Ihrem Kind nie ausschließlich Themen zur Verbesserung des Lesens bzw. Schreibens behandelt. Diese Themen sind eingebettet in Übungen und Methoden, die die  Stärkung des Kindes zum Ziel haben. Eine LRS kann nicht "weggezaubert" werden. Das Kind kann aberStrategien an die Hand bekommen, die es ihm ermöglichen, damit umzugehen, seine Lese- und Rechtschreibfähigkeiten zu verbessern und eine positive Haltung zu sich und dem Lernen zu entwickeln.

Einflussfaktoren 

Kein einfaches Ursache-Wirkung-Prinzip!

Es gibt Umstände und Anhaltspunkte in der Entwicklung eines Kindes, die negativen Einfluss auf das Erlernen flüssigen und sinnverstehenden Lesens und orthografisch korrekten Schreibens genommen haben können:

  • Entwicklungs-und Sprachstörungen, die eventuell sogar eine logopädische und/oder ergotherapeutische Hilfe notwendig gemacht haben.

War oder ist Ihr Kind z.B. oft ungeschickt in seinen Bewegungen? 

Kann Kraft , z.B. bei Umarmungen, nicht immer angemessen dosiert werden? Wird aus einem "Anticken" eher ein "Schubsen"?

 

  • Beeinträchtigungen des Sehens und Hörens

Hatte Ihr Kind beispielsweise häufiger Mittelohrentzündungen? 

Zeigte Ihr Kind keine Freude an Reimen und Liedern?

Bastelt es nicht gerne?

 

  • Eine familiäre Disposition: Bei anderen Familienmitgliedern kann eine Lese-Rechtschreibschwäche oder -störung vermutet werden oder wurde tatsächlich festgestellt.

 

Schwierigkeiten mit dem Schreiben und Lesen können darauf hinweisen, dass Ihr Kind in diesen Bereichen besondere Hilfe braucht:

  • Steuerung von Aufmerksamkeit
  • Konzentration
  • Gedächtniszugriff (Merkfähigkeit)
  • Phonologische Bewusstheit (Sprache besteht aus lautlichen Einheiten ("Tönen"), die  Silben, Worte und Sätze bilden. Diese müssen herausgehört bzw. gebildet werden. Phonologische Bewusstheit zeigt sich z.B. beim Reimen: Wer auf "Platz" die "Katze" reimen möchte, muss aus ihr eine "Katz´" machen.)
  • Morphologische Bewusstheit (Zusammenhänge in Bezug auf Bedeutung und Schreibweise von Worten, die zu einer "Wortfamilie" gehören. "Wortbausteine" erkennen wie z.B. Worte mit der Endung "-heit", die Großschreibung erfordern: Freiheit, Gleichheit etc.)
  • Lernen bedeutet auch Üben. Doch man kann nur Üben, was man kann! Unterrichtsinhalte z.B. zur Orthografie haben nicht ausgereicht, ein tragfähiges "Regelwissen" auszubauen und sicher anzuwenden.

Beeinträchtigungen in der Entwicklung haben die Aufnahme des (schulischen) Wissens und die Entwicklung von Fähigkeiten behindert. So kann in diesem gestörten Lernprozess auf notwendige Vorkenntnisse und -fertigkeiten nicht zurückgegriffen werden.

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